Das Teilprojekt KnowledgeBase beschäftigt sich mit der Entwicklung einer Plattform zum kollaborativen Wissensaustausch, einem sozialen Netzwerk für die Kultur- und Gastspielbranche. Die Erarbeitung des inhaltlichen Rahmens hierfür ist u.a. Aufgabe des Lehrstuhls für Vergleichende Kulturwissenschaft der Universität Regensburg. Unter anderem wurden hierzu bis Ende 2017 Erhebungen in Form von qualitativen Interviews mit Vertretern der Kultur- und Gastspielbranche durchgeführt, die an dieser Stelle vorgestellt werden sollen.

Welche Methode wurde für die Erhebungen angewandt?
Zunächst war es wichtig, eine geeignete Methode zu bestimmen, die für unsere Erhebungen am sinnvollsten ist. Im Fall der KnowledgeBase wählten wir eine qualitative Methode, sogenannte Tiefeninterviews mit akteursbezogenem Ansatz, da diese dem Untersuchungsgegenstand und dem Umfang der Erhebungen angemessen sind. Wir betrachten die Interviewten als Expert*innen für ihren Arbeitsalltag und die Branche, worüber wir durch die Gespräche mehr erfahren wollen. Für jede*n Interviewpartner*in wurde ein Fragebogen erstellt, welcher unterstützend während des Gesprächs als Gedächtnisstütze genutzt werden konnte. Um das Interview möglichst angenehm zu gestalten und einen guten Einblick in den Arbeitsalltag der Gesprächspartner*innen zu erhalten, wurde meist der jeweilige Arbeitsplatz als Treffpunkt und Ort der Erhebung gewählt.
Bei der Auswahl der Gesprächspartner*innen galt es, eine möglichst große Bandbreite an Branchen, Funktionen und Aufgaben abzudecken. Nicht nur Veranstalter*innen, Anbieter*innen, sondern auch Kulturberater*innen und Kommunen sind potenzielle Nutzer*innen der KnowledgeBase. Neben der Tätigkeit ist die Größe der jeweiligen Unternehmen ein wichtiges Merkmal, denn als Projekt des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi), angesiedelt in der Förderlinie Mittelstand Digital, legt den Fokus des eKulturPortals auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU).

Zu den zentralen Themen in den Gesprächen gehörten beispielsweise:
– Vorstellung der Person und des Kulturbetriebs, individuelle Zugänge zur Branche
– Arbeitsalltag im Kulturbetrieb
– Kulturbegriff der Interviewpartner*innen
– Wissensaustausch (betriebsintern, innerhalb der Branche, mit dem Publikum)
– Vernetzung und Netzwerke (Kollaboration, Communities of Practice, Community Building)
– Information und Recherche
– Mediennutzung und Stand der Digitalisierung
– Förderung des Zugangs zu und Interesse an Kulturangeboten (Audience Development)
– Politik und Kulturbetrieb bzw. Politiken des Kulturbetriebs (Cultural Governance)
– Fördermöglichkeiten
– Konkurrenzsituationen

Wie wurden die Interviews aufbereitet?
Die Interviews wurden zunächst mit einem Aufnahmegerät als Tondatei festgehalten. Um die entstandenen Tondateien aufzubereiten und in Schriftform zu bringen, arbeiten wir im Teilprojekt KnowledgeBase mit MAXQDA, einer Software für die qualitative Datenanalyse. Diese Software ermöglicht es uns, die Dateien zu transkribieren und bereits während der Verschriftlichung mit Schlagworten, sogenannten Codes, zu versehen. In der weiteren Analyse der Interviews sind diese Codes eine große Hilfe, da mit einem Mausklick bereits Textstellen, beziehungsweise Tonspuren, zu einem bestimmten Schlagwort einsehbar und nachhörbar sind. So kann langes Suchen nach bestimmten Aussagen der Interviewpartner*innen bei einer späteren Analyse vermieden werden. Im Sinne der „Grounded Theory“ als Zugang, wurden die Codes nicht von vornherein vergeben, sondern aus dem empirischen Material heraus entwickelt.

Was passiert nun mit den Transkripten?
Die Transkripte sowie die Tonspuren werden vertraulich behandelt, die Inhalte werden anonymisiert und für die weitere Bearbeitung werden lediglich Erkenntnisse aus den Gesprächen verwendet. Technische Anforderungen sowie wichtige Informationen für die Entwicklung der KnowledgeBase werden an die Kolleg*innen aus der Medieninformatik weitergeleitet. Inhaltliche Schwerpunkte und Themencluster, werden für unsere weiteren Erhebungen und Tätigkeiten verwertet.
Beispielsweise wurden wir darauf hingewiesen, dass großes Interesse an neuen Studien, aktuellen Rechtsprechungen und Verordnungen bestehe, oftmals aber die Zeit fehle, im Arbeitsalltag hierzu zu recherchieren. Solche in Gesprächen festgehaltenen Anregungen gilt es in der KnowledgeBase umzusetzen. Die Nutzer*innen sollen durch die KnowledgeBase in ihrem Arbeitsalltag unterstützt werden, Informationen einsehen können oder auf entsprechende Quellen verwiesen werden, Fragen stellen und beantworten können oder sich mit Kolleg*innen vernetzen. Eine Auswahl der wichtigsten Erkenntnisse aus den Gesprächen werden wir in Form von Blogbeiträgen auf der KnowledgeBase und an dieser Stelle für die Nutzer*innen zugänglich machen.

Die durchgeführten Erhebungen bilden also einerseits einen Grundstock für die Entwicklung der KnowledgeBase, indem Anforderungen an die Plattform deutlich gemacht werden konnten. Andererseits sind die Erhebungen wichtig, um uns, das Projektteam der Universität Regensburg, für die Lebenswelt unserer zukünftigen Nutzer*innen und den Alltag im Kultur- und Gastspielbetrieb zu sensibilisieren. Die Erhebungen zeigen uns Möglichkeiten auf, wie wir die potenziellen Nutzer*innen zu einer sogenannten ‚Community of Practice’, „eine[r] Gemeinschaft von Personen, die aufgrund eines gemeinsamen Interesses oder Aufgabengebietes über formale Organisationsgrenzen hinweg miteinander interagieren (virtuell und/oder face-to-face) mit dem Ziel, Wissen in einem für das Unternehmen relevanten Themengebiet gemeinsam zu entwickeln, zu (ver-)teilen, anzuwenden und zu bewahren“ (Zboralski 2007, S. 30), anregen können. Durch die Interviews können wir auch die Gesprächspartner*innen auf das Teilprojekt KnowledgeBase aufmerksam machen. Wir können zudem bereits einen kleinen Anreiz geben, wie die Vernetzungsmöglichkeiten einer solchen Plattform auch im Arbeitsalltag sinnvoll eingesetzt werden können.

Haben Sie Anmerkungen zum Erhebungsprozess? Oder möchten Sie uns Ihre Erfahrungen als Expert*in im Bereich Veranstaltungen, Produktion, Kulturberatung oder Ihrer Arbeit im kommunalen Bereich mitteilen? Wir freuen uns über Antworten und Anregungen.

Zitierte Literatur:
Zboralski, Katja: Wissensmanagement durch Communities of Practice. Eine empirische Untersuchung von Wissensnetzwerken. (Deutscher Universitäts-Verlag) Wiesbaden 2007.