Schon lange vor den Diskussionen um den Begriff der „Wissensgesellschaft“ als neuem Paradigma gab es eine intensive Auseinandersetzung mit Wissen und Wissensmanagement. Das berührt nicht nur die Fragen was „Wissen“ eigentlich ist und wie sich „Wissen“ und „Information“ voneinander unterscheiden, sondern auch und vor allem Fragen danach, wie Wissen identifiziert, bewertet, gespeichert, strukturiert, vermittelt, abgerufen und angewendet werden kann. Gerade für Betriebe mit einem höheren Organisationsgrad sind die impliziten (sozusagen in den Mitarbeiter*innen und den Arbeitsroutinen gespeicherten) und expliziten (in irgendeiner Form aufgeschriebenen und visualisierten) Wissensbestände ein zentrales Kapital – manchmal gar das entscheidende. Das mittlerweile breit ausgearbeitete Instrumentarium beim Wissensmanagement – von Wissenslandkarten über Storytelling bis zu Wikis – erlaubt es nicht nur, die Wissensbestände eines Unternehmens sichtbar zu machen, sondern auch den innerbetrieblichen Wissensaustausch zu fördern und die Wissensweitergabe (z.B. bei Stellenwechseln) zu gewährleisten.

Bei der anvisierten Nutzergruppe des eKulturPortals handelt es sich aber um keinen Betrieb, vielmehr um eine sehr heterogene und disloziert agierende Gemeinschaft, die vom gemeinsamen Interesse und dem Agieren in derselben „Szene“ ebenso zusammengehalten, wie von den abgrenzenden Strategien des Wettbewerbs und der Selbstprofilierung auseinandergetrieben wird. Die Vermittlung von Wissen, wie sie in dem Teilprojekt „KnowledgeBase“ angestrebt wird, ist damit in mehrfacher Weise herausfordernd. Zum einen gibt es keine übergreifende organisationale Struktur, die ein Wissensmanagement im betrieblichen Sinne erlaubt, formiert und sanktioniert. Zum anderen sind es der Zeitdruck im oft prekären künstlerischen Alltag und das Bewusstsein des eigenen Wissens als Arbeitskapital mit den damit verbundenen Fragen nach Vertrauen und Schutz der Wissensbestände, die sich als spezifisches Problem der Gastspielszene zeigen.

Die KnowledgeBase hat von daher zwei Zielrichtungen: Sie stellt eine technische Plattform zur Verfügung, die in der Lage ist, die heterogenen Zugänge und Bedürfnisse aufzugreifen und damit einen Ort für branchenspezifisches Wissen zu schaffen. Anders als bei betrieblichen Formen des Wissensmanagements muss dabei aber die Frage nach dem „social life of knowledge“ stärker berücksichtigt werden. Eine technische Plattform alleine ist allerdings noch nicht die Lösung, sie kann zwar Wissen strukturieren und speichern –  letztlich sind es aber die sozialen Interaktionen, die aktive Nachfrage und Bereitstellung von Wissen, das freiwillige und nutzbringende Agieren zwischen Menschen, also die Wissenskollaboration, die für das Gelingen der KnowledgeBase entscheidend ist.

Die aktuellen Erhebungen der Vergleichenden Kulturwissenschaft im Teilprojekt KnowledgeBase zielen auf genau diese sozialen und kollaborativen Prozesse. Eine technische Plattform bleibt lediglich eine technische Plattform, wenn sie nicht durch menschliche Interaktion und Kollaboration zu einem lebendigen Medium des Wissensaustauschs gemacht wird. Dazu müssen wir wissen, wie wir bereits vorhandene Netzwerke und Wissensroutinen unterstützen und die Anschlussfähigkeit der zukünftigen Nutzer*innen an die Plattform gewährleisten können. Anders als bei betrieblichem Wissensmanagement, bei dem die Beteiligung verordnet werden kann (auch wenn das nicht immer funktioniert), müssen wir bei der KnowledgeBase einen sozialen Prozess anregen, der jedem vor Augen führt, dass es sich lohnt, sich an der KnowledgeBase zu beteiligen. Dies beinhaltet auch das Community-Building in der zukünftigen Nutzergemeinschaft, zu dem qualitative Erhebungen zum Erkennen der spezifischen Bedürfnisse und Wissensroutinen ebenso gehören wie ein aktives Anregen der Community, sozusagen eine „Anschubfinanzierung“ mit relevanten Inhalten, sowie eine kontinuierliche direkte Ansprache der Menschen über eine vertrauenswürdige, verbindliche und verlässliche Institution.

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