Die Kulturbranche im deutschsprachigen Raum ist ein vielfältiger Markt. Im Umfeld der Tourneetheater arbeiten die beteiligten Akteure als Einmannbetrieb oder in kleinen bis mittleren Betrieben – und dabei teilweise in mehreren Positionen oder Firmen. Eine Anwendung für diese Branche zu designen, stellt uns vor die Herausforderung individuell anpassbare Werkzeuge für die unterschiedlichen Betriebe zu schaffen, welche gleichzeitig auf (soweit wie möglich) standardisierten Prozessen aufbauen. So sollen fehleranfällige Arbeitspraktiken abgelöst und Standards in dieser vielfältigen Branche geschaffen werden. So wie Tabellenkalkulationsprogramme in den verschiedensten Anwendungsbereichen – z. B. für Zeitpläne, Experimentauswertungen oder Datenbanken – geradezu als Allzweckwerkzeug eingesetzt werden, soll das eKulturPortal die spezifischen Anforderungen der Kulturbranche möglichst flexibel unterstützen.

Nach dieser Denkweise lassen sich bestehende Softwarelösungen und Ansätze im Software Engineering auf einem Kontinuum zwischen hochspezialisierter Software (spezifisch) und Universallösungen (generisch), wie Büroanwendungen, einordnen.

Software-Kontinuum: spezifisch-generisch

Beim End User Development können die Nutzer selbst das Verhalten der Anwendung mithilfe von (visueller) Programmierung, Scripting oder durch Makros beeinflussen. So können beispielsweise automatisierte Prozesse oder zu verarbeitenden Datenmodelle individuell angepasst werden, allerdings fordert diese Herangehensweise in technischer Hinsicht den größten Aufwand und Knowhow.

Geschäftsprozesse können formal beschrieben und anschließend durch Business Process Engines zum Leben erweckt werden. Das Design der Prozesse und ihre Aufbereitung für derartige Maschinen übernehmen dabei Spezialisten, und nicht etwa wie oben die Anwender selbst. Individuelle Arbeitsweisen können unterstützt werden, indem Prozessexperten und Endanwender zusammenarbeiten. Da hierbei Benutzerschnittstellen von den Engines automatisch generiert werden (können), ist die Gebrauchstauglichkeit solcher Systeme aus Sicht des Usability Engineering eine interessante Herausforderung.

Branchen- und Aufgabenspezifische Software unterstützt Aufgaben, die entweder nur in bestimmten Branchen auftreten, oder in Betrieben allgemein vorkommen, wie etwa die Buchhaltung. Die Prozesse sind in den Programmabläufen realisiert und bilden diese Aufgabenbereiche auf ihre jeweilige Art ab. Individuelle Anpassungen sind über Einstellungen, Optionen und ggf. Plug-Ins möglich. Aufgrund der oben erwähnten Vielfältigkeit der Branche, erscheint eine Abbildung auf die unterschiedlichen Betriebsgrößen und internen Strukturen problematisch.

Das allgemeinste und flexibelste Konzept ist universelle Software, die grundlegende Aufgaben der Nutzer unterstützen. Sie ermöglichen es den Nutzern, größere Aufgaben durch ihren Umgang (wann und wie) mit der Software aus kleineren, konkreten Arbeitsschritten zusammenzusetzen. Durch die Vereinbarung von Vorgehensweisen in den Betrieben werden deren individuelle Strukturen abgebildet. Büroanwendungen (z. B. Tabellenkalkulation) und To-Do-Listen sind dabei verbreitete, individualisierbare Hilfsmittel.

(Nicht genannt und am Kontinuum verortet wurden betriebsinterne Eigen- und Fremdentwicklungen, da diese in der Branche kaum verbreitet zu sein scheinen.)

Da keine der vier genannten Lösungskonzepte alleine wiedergeben kann, was wir für die Kulturbranche bereitstellen wollen, möchten wir verschiedene User Interface Konzepte evaluieren, um durch die Kombination ihrer individuellen Vorteile eine Anwendung zu entwickeln, die einfach zu nutzen und zu adaptieren ist. Dabei versuchen wir bereits erprobte intelligente Standards zu nutzen und weiter zu entwickeln.

Ein möglicher Ansatz können nutzerzentrierte Kleinst-Prozesse sein, die als subjektorientierte Geschäftsprozesse diskutiert werden. Dieser Ansatz trägt Eigenschaften aller oben vorgestellten Varianten in sich und kann grundsätzlich so konfiguriert werden, dass ein jeweils angemessenes Gleichgewicht zwischen Aufgabenangemessenheit bzw. Individualisierung und Flexibilität bzw. Standardisierung hergestellt wird. Nutzerzentrierte, kurze und wohldefinierte Prozesse können individuell kombiniert werden, ggf. in Form grafischer Programmierung, um nötige Individualprozesse möglich zu machen. Ein Katalog dieser Prozesse inkl. ihrer Anwendbarkeit und Kombinationsmöglichkeiten dient wiederum als Fundament für eine grundlegende Standardisierung der unterschiedlichen Prozesse entlang der Wertschöpfungskette.

Finden Sie sich selbst in diesem Spektrum wieder? Welche Herausforderungen begegnen Ihnen in der täglichen Arbeit? Wir freuen uns über Antworten und Anregungen.

 

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